Offener Brief: Kinder und Jugendliche in der Pandemie brauchen Begleitung externer Fachkräfte

Neben IT-Kenntnissen brauchen Kinder und Jugendliche mehr analoge und digitale Unterstützung bei Medienkompetenz, Sucht- und Gewaltprävention

Ausgangslage

Lehrerinnen und Pädagogen berichten über die derzeit schwierige Situation von Kindern und Jugendlichen. Der oft nicht altersgemäße Medienkonsum und die Zeit vor Bildschirmen haben sich schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 enorm gesteigert. Der Umgang in sozialen Netzwerken, Cybermobbing, Fake News, „Aufklärung“ durch Pornos oder Terror vor der Haustüre werden so zum Konfliktpotential. Klassengemeinschaften machen mitunter schwierige Zeiten durch. Die Themen in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen vermindern sich in dieser schwierigen Zeit nicht. Unter Umständen nimmt die Verunsicherung sogar zu. Genau hier setzen externe Workshops, Projekttage und Informationsveranstaltungen in Schulen und außerschulischen Einrichtungen an.

Workshops und andere Projekte

Diese externen Workshops und Projekte werden seit Jahren von Schulen in Anspruch genommen. Diese arbeiten mit zahlreichen meist selbständigen Trainerinnen und Trainern aus diversen Institutionen zusammen. So können verschiedenste Workshops, Projekttage, Seminare und Vorträge an Schulen und außerschulischen Einrichtungen durchgeführt werden. Dazu zählen unter anderem die Themenbereiche

• Medienbildung und Safer Internet

• Soziale Kompetenz und Klassengemeinschaft

• Gewaltprävention und Suchtprävention

• Sexualpädagogik und Genderarbeit

• Kunst und Theaterpädagogik sowie

• Armut, Solidarität und Flucht.

Diese breit gefächerten Leistungen gehen weit über die von Bildungsminister Faßmann im November 2020 erwähnten Leseomas hinaus und sind als gesundheitsfördernde und gesellschaftsrelevante Maßnahmen zu sehen.
Sie haben außerdem den großen Vorteil gegenüber schulischen Lehrplänen, dass sie kurzfristig auf Trends und Praktiken reagieren können.

Das Fehlen externer Angebote

Sobald Schulen jedoch keine externen Angebote mehr in Anspruch nehmen können, fehlt Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, über ihre Gedanken und Probleme zu sprechen, die im Regelunterricht oft nicht genug Raum bekommen können. Pädagoginnen und Lehrende bekommen durch externe Impulse auch die Möglichkeit, ihre Schülerinnen und Schüler von außen betrachten zu können und in schwierigen Fragen Unterstützung zu erhalten. Gerade in Zeiten der Pandemie darf nicht vergessen werden, dass Kinder und Jugendliche Kontakt zu anderen Kindern und Jugendlichen brauchen, aber auch die Auseinandersetzung mit Erwachsenen, die sie solidarisch-kritisch dabei begleiten, zu selbst- und sozialverantwortlichen Erwachsenen zu werden. Auch für Eltern und Elternvertretungen stellt das Leistungsspektrum von externen Trainerinnen und Coaches in den Klassen ihrer Kinder eine hilfreiche Ergänzung dar wie beispielsweise in allgemeinen Fragen der Erziehung.

Ein sicherer Ort

Ebenso notwendig sind außerschulische Angebote wie Jugendzentren, um Kinder und Jugendliche aufzufangen, die zuhause wenig Unterstützung bekommen können. Oftmals brauchen die Kinder einen sicheren Ort außerhalb der eigenen vier Wände. In der Kinder- und Jugendarbeit werden die Aktivitäten in der Freizeit betont. Die Aktivitäten zielen auf informelles und nonformales Lernen während der schulfreien Zeit ab und bieten dadurch schulergänzende Qualifizierungen. Diese fehlen im Moment und verhindern so massiv Möglichkeiten zur individuellen Weiterentwicklung junger Menschen.

Aktuelle Fakten

Drei Beispiele und aktuelle Zahlen für Veranstaltungen von externen Personen an und mit Schulen sollen hier Einblick geben.

Die Initiative Saferinternet.at, die in ganz Österreich Workshops und Veranstaltungen zum Thema Medienbildung und sichere Nutzung von Handy und Internet durchführt, berichtet von etwa 1.750 durchgeführten Workshops von Jänner bis September 2019, bei denen bundesweit 40.000 Teilnehmende (Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende) erreicht werden konnten. Im ganzen Jahr 2019 waren es 2.700 Workshops mit etwa 61.000 Menschen. Im Vergleichszeitraum 2020 konnten aufgrund von Betretungsverboten an Schulen nur etwa 700 Workshops (statt 1.750) mit nur 15.500 Teilnehmenden in Präsenz abgehalten werden. Das entspricht über beide Jahre gerechnet einem Einbruch von fast 70%. Gegenwärtig wird versucht, einen Teil über Online-Workshops abzufangen.

„Durch den Lockdown im Frühjahr 2020 und dem Verbot für Workshops ab November 2020 mussten bisher fast 60 Workshops und damit über 50% des gesamten Workshopkontingents eines Kalenderjahres abgesagt werden. Das entspricht in etwa 1.100 Kindern, ebenso viele Eltern(paare)n und über 100 Lehrenden und Direktionen, die nicht erreicht werden konnten“, berichtet der Verein PIA – Prävention, Beratung und Therapie bei sexueller Gewalt aus Linz.

Im Bereich von gemeinschaftsfördernden Projekttagen wurden 2019 mehr als 330 Schulklassen professionell extern betreut. Im Jahr 2020 konnte nur ein minimaler Bruchteil davon durchgeführt werden. Davon betroffen sind über 8.000 Schülerinnen und Schüler, rechnen Teamkiste – Betreute Projektwochen und Freispiel – Verein zur Förderung von Persönlichkeitsentwicklung vor.

Fazit

Durch das COVID-19-bedingte Betretungsverbot an Schulen für externe Expertinnen und Experten gehen viele gesellschaftspolitisch wichtige Inhalte und die dazugehörige präventive Arbeit für Kinder und Jugendliche verloren. Deren Lebenswelt, Sorgen und Ängste sind trotzdem weiter vorhanden. Wichtig wäre – bei allem Verständnis für die aktuellen Maßnahmen -, dass Kinder und Jugendliche Möglichkeit haben, mit externen Expertinnen und Trainern zu kommunizieren. Denn Workshops sind auch immer Beziehungsarbeit. Diese wichtige Arbeit, die normalerweise in Präsenz an den Schulen und in Jugendzentren stattfindet, bleibt gerade komplett auf der Strecke. Somit fehlt wichtige Arbeit mit der nächsten Generation.

Diese Stellungnahme soll unsere Angebote und unsere Bereitschaft unterstreichen, Kinder und Jugendliche zu unterstützen: Digital, wo es möglich und sinnvoll ist und hoffentlich wieder bald in direktem Kontakt von Mensch zu Mensch.

Das isi-Team Alexander, Rosa, Philipp und Martin freut sich auf ein baldiges Wiedersehen in euren Schulklassen!

Autoren

Mag. Wolfgang Pospischill
 (Medienpädagoge)

Alexander Schmelzer
 (Leiter von isi und Saferinternet-Trainer)

Dipl.-Ing. Akad. Freizeitpäd. Michael Luger

Welcome back!

Das neue Schuljahr beginnt – zumindest im Osten Österreichs.
Wir wünschen allen Schülerinnen, Schülern, Lehrenden und Eltern einen guten Start in außergewöhnlichen Zeiten und freuen uns auf unsere neu gestalteten Workshops mit euch!

Quelle: ARD

Familienalltag mit Medien im Ausnahmezustand?

Von heute auf morgen hat sich alles verändert, auch unser Umgang mit Medien. Kinder- und Jugendpsychologin Claudia Rupp erklärt in einem Gespräch mit dem ORF recht anschaulich, wie Eltern mit der Herausforderung umgehen können Sicherheit zu vermitteln, während sie selbst verunsichert sind. Aus unserer Perspektive auf Medien sind zwei Punkte davon besonders wichtig:

* Bei der Flut an Informationen die jetzt herumschwirren sind gerade jünger Kinder auf Eltern als Ansprech- und Diskussionspartner angewiesen, um diese einzuordnen und seriöse Nachrichten von Fake News zu unterscheiden.

* Viele verfolgen derzeit den ganzen Tag Sondersendungen in Fernsehen und Radio. Machen sie dabei das Wohnzimmer nicht zum Newsroom. Kinder schnappen davon oft nur einige Wörter oder Bilder auf, die für sie extrem beunruhigend oder angstmachend sind. Holen sie Sondersendungen abends nach, wenn die Kinder im Bett sind.

https://orf.at/stories/3158052/?fbclid=IwAR1QzhlUDxIv6qN6cpc9bLSfNE0TfevauqDUx82TmKOAK3K0o9kJ_nvGMmQ

FakeNews in Zeiten der Krise

Schon eine/r kann einen großen Unterschied machen!

Solche Kettenreaktionen (Dominoeffekte, Schneeballsysteme) gibt es auch in der Natur. Ein Beispiel ist die Verbreitung von Viren.
Und so wie du die Verbreitung von falschen, gemeinen oder angstmachenden Nachrichten unterbrechen kannst, arbeiten wir alle momentan daran, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Jede/r Einzelne kann mithelfen! Wir schaffen das!

Safer Internet Day 2020

Auch heuer wieder: Der Februar ist der Safer Internet-Aktions-Monat!

Am Dienstag, den 11. Februar 2020 findet zum 17. Mal der internationale Safer Internet Day statt. Das Motto lautete auch dieses Jahr wieder: „Safer Internet Day: Together for a better internet“

Der jährliche Aktionstag wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Safer Internet-Programms organisiert. Über 130 Länder beteiligen sich weltweit am Safer Internet Day, um über eine sichere und verantwortungsvolle Internetnutzung aufzuklären. International organisiert das europäische Netzwerk Insafe den Safer Internet Day.

Gleich mit eigenen Projekten und Ideen anmelden!
https://www.saferinternet.at/projekte/safer-internet-day-sid/worum-gehts/

Unser “neuen” isi-Trainer*innen Rosa Danner und Philipp Rodleitner sind heute beim eLearning Bazar 2019 in Wien! Sie präsentieren unsere Workshop-Projekte für Volksschulkinder.
isi beim eBazar

SID 2019: Februar ist Safer Internet-Aktions-Monat

Saferinternet.at nimmt auch 2019 den Safer Internet Day wieder zum Anlass, um mit Unterstützung des BMBWF den gesamten Februar 2019 zum Safer Internet-Aktions-Monat auszurufen.

Alle Schulen & Jugendorganisationen in Österreich werden herzlich dazu eingeladen, die sichere Internetnutzung im Aktions-Monat Februar zum Thema zu machen und eigene Projekte durchzuführen und vorzustellen.

Tolle Anregungen für Aktivitäten finden Sie in den Rückblicken auf die Vorjahre.

Mit der Anmeldung als Schule oder Jugendorganisation zum Safer Internet-Aktions-Monat Februar 2019 sichern Sie sich das kostenlose Safer Internet Day-Info-Package mit vielen nützlichen Materialien, Videos und Leitfäden, kompakt auf einem USB-Stick!

Weitere Infos dazu auf unserer Saferinternet-Seite:

https://www.saferinternet.at/projekte/safer-internet-day/